Hoch hinaus bei der FeuerwehrRecherchebesuch auf der Feuerwache 1

Ein Recherchebesuch bei der Kölner Feuerwehr bescherte den Teilnehmern auf dem JME 2016 einen Einblick in den Beruf eines Feuerwehrmannes. Zwei Brandmeister der Feuerwache 1 (Innenstadt) erzählten Wissenswertes und Unterhaltsames aus ihrem Alltag und ließen für manchen Nachwuchsjournalisten einen Kindheitstraum wahr werden: Mit der Drehleiter ging es in 40 Meter Höhe.

Die Feuerwache 1 liegt in der Nähe des Neumarkts in der Kölner Innenstadt und ist die durch ihre zentrale Lage die am stärksten frequentierte der 11 Wachen in Köln. Insgesamt beschäftigt Köln etwas mehr als 2000 Beamte, darunter circa 1250 Berufsfeuerwehrmänner und 800 Freiwillige.

Im gesamten Raum Köln stehen den Feuerwachen 260 Fahrzeuge zur Verfügung. Auf der Feuerwache 1 gibt es neben Löschfahrzeugen und Rettungswagen ein Fahrzeug der Tauchergruppe sowie den Gerätewagen Atemschutz für Spezialeinsätze. Das LF 1-1 ist eines der meistgenutzten Löschfahrzeug in ganz Deutschland. Die Teilnehmer durften unter anderem typische Werkzeuge wie Schläuche, Ängste und schwere Metallschneider begutachten und in dem modernsten Löschfahrzeug der Feuerwache Platz nehmen.

Pro 12-Stunden-Schicht stehen 17 Feuerwehrleute und 11 ausgebildete Rettungskräfte auf Abruf bereit. Bei einem Notruf aus der Leitstelle tönt eine Durchsage aus dem Lautsprecher. Binnen 60 Sekunden müssen Feuerwehrleute oder Rettungskräfte bereits auf der Straße sein, so die Vorschrift. Um diesen Zeitdruck zu meistern, proben die Beamten regelmäßig das schnelle Anlegen der Uniform. Feste Stiefel, dicke Jacken und Hosen schützen vor der enormen Hitze, der robuste Helm vor herabfallenden Trümmerteilen oder Ähnlichem. Komplettiert wird die Montur durch ein Sauerstoffgerät. Pro Jahr stehen im Raum Köln 10 000 Feuerwehreinsätze an, davon 2000 wegen Wohnungsbränden. Die Bilanz fällt beim Rettungsdienst mit 120 000 Einsätzen deutlich höher aus.

Für Einsätze in der Höhe steht der Feuerwache 1 ein Fahrzeug mit einer großen Drehleiter zur Verfügung, mit der die Teilnehmer die Stadt von oben bestaunen konnten. Voll ausgefahren steht die Plattform am Ende der Leiter circa 39 Meter in der Luft. Steht das Leiterfahrzeug zwölf Meter von einem Gebäude entfernt, können die Feuerwehrleute noch in eine Höhe von 30 Metern operieren. Daher wir das Drehleiter-Modell auch 30/12 genannt.

Was setzt eigentlich die Feuerwehr unter Druck? An den Stress beim Einsatz, wo jede Sekunde zählt, gewöhnt man sich und lernt mit dem Adrenalin umzugehen, versichern uns die Brandmeister. Auch gefährliche Rettungs- oder Löschfahrten machen erfahrenen Bediensteten keine Angst mehr. Vielmehr sind schaulustige Passanten ein Problem. Die „Gaffer“ behindern die Feuerwehr oft bei der Arbeit, passiv durch das Versperren des Wegs, aber auch aktiv wie durch das Mitschneiden von Einsätzen. Ab einer gewissen Vehemenz kann das sogar strafrechtlich verfolgt werden. Insgesamt lasse laut den Beamten der Respekt vor der Feuerwehr zunehmend nach. Den Umgang mit Journalisten ist die Feuerwehr hingegen gewohnt und empfinde ihn nicht als störend.

Ein weiteres Problem stellen Fehlalarme dar. 96 Prozent der Notrufe, die durch die Brandmeldeanlagen der Innenstadt ausgelöst werden, gehen irrtümlich ein. Grund ist deren hohe Sensibilität. Vor allem aber stören falsche Anrufe den Betrieb. Auch diese werden mit einer hohen Geldstrafe geahndet. Von rund 400 000 Notrufen im Jahr resultiert knapp ein Drittel schließlich in Einsätzen.

Wie steht es eigentlich mit der Frauenquote bei der Feuerwehr? Wir erfahren, dass unter den 1 250 Berufsbeamten nur 15 Feuerwehrfrauen sind. Der Beruf scheint immer noch eine klare Männerdomäne zu sein. „Dabei würden mehr Frauen dem Betriebsklima sicher gut tun“, findet der Oberbrandmeister. Um den Berufseinstieg für weibliche Bewerberinnen zu erleichtern, wurden Benachteiligungen, etwa beim Sporttest, durch Reformen beseitigt. Der Sanierungsstau bei der Feuerwehr werde in vielerlei Hinsicht langsam abgearbeitet.

Mehr Bilder vom Recherchebesuch:

Lennart Bar
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