„Es geht immer um Geschwindigkeit“Zu Besuch im Redaktionsbüro Wipperfürth

Mit sechs Jahren wollte er noch Journalist oder Fußballprofi werden – heute, 35 Jahre später, hat er sein Hobby mit dem Beruf verbunden: Andreas Spohr, 41, ist Leiter der Sportredaktion im Redaktionsbüro Wipperfürth und stellvertretender Chefredakteur der Bravo Sport. Eine von 23 Zeitschriften, die hier im Kölner Stadtteil Mühlheim produziert werden.

Das Redaktionsbüro, eines der größten in Deutschland, war beim Berufseinblick am Freitagmorgen Anlaufstelle für neun Teilnehmer. 70 Mitarbeiter, sowohl Festangestellte als auch Freelancer, recherchieren, schreiben, bauen Grafiken und suchen Fotos für die nächsten Ausgaben.

Spohr selbst war begeistert vom Konzept des JugendMedienEvents und zeigte sich mindestens so neugierig wie die Teilnehmer selbst. „Begeisterung und Enthusiasmus sind die Grundvoraussetzungen für Journalismus. Aber wenn ihr extra für vier Tage aus München, Lübeck oder Karlsruhe hierher kommt, ist die Begeisterung bei euch definitiv vorhanden“, stellte er fest. Gut sei es, wenn man früh wüsste, was man werden wolle – so wie er. Die Profikarriere im Fußball scheiterte, heute steht er trotzdem neben Christiano Ronaldo. Nicht im Trikot, sondern in Jeans und Hemd. Als Journalist.

Doch auch, wenn die Bravo Sport mit fußballerischem Schwerpunkt die verkaufsstärkste Publikation des Redaktionsbüros ist, liegt der Fokus nicht nur auf dem runden Leder: Wipperfürth produziert Deutschlands größte Ski-Fachzeitschrift, auch andere Wintersportfans, Basketballer, Leichtathleten und Jogger finden im Angebot des Redaktionsbüros die passende Lektüre. Nicht-Sportler können durch Foto- oder Modemagazine blättern. „Wir verschließen uns vor keinem Thema“, erklärte Spohr, fügte aber hinzu: „Wenn jetzt ein Verlag ankäme und uns bitten würde, eine Zeitschrift zur Panzer- und Rüstungsindustrie zu machen, würden wir das ablehnen.“ Ist man dann nicht abhängig von den Verlagen? „Ja, schon“, antwortete Spohr. „Aber dann müssten viele Titel verschwinden. Es ist nicht so, dass wir von einem Magazin abhängig wären.“

Aufträge annehmen – oder eben auch ablehnen. Die Titel gehören den Verlagen, das Redaktionsbüro unter Leitung von Fred Wipperfürth stellt die Redaktion. Mittlerweile hat es sich aber ebenfalls einen eigenen kleinen Verlag aufgebaut und vertreibt unter anderem den eigenen Titel Köln.Sport.

Gerät man da schon mal bei der Arbeit unter Druck?

„Ja. In diesem Job kann es auch schon mal etwas rauer oder lauter werden.“ Trotzdem sieht er den Vorteil bei den Zeitschriften: Im Gegensatz zu Tageszeitungen, die tagesaktuell berichten müssen und somit abends des Öfteren unter Zeitdruck geraten, seien die Geschichten zeitlos. Wenn Zeitschriften alle zwei Wochen erscheinen, sei das Ergebnis des Fußballspiels ebenso fehl am Platz wie die Prognose der Top-Partie am kommenden Wochenende. Interviews, private Geschichten – etwas, das man auch zehn Tage nach dem Erscheinungsdatum noch verkaufen kann. „Das nimmt den Druck“, findet Spohr. Aber: „Wer immer die Nerven behält, muss aus ganz besonderem Holz sein.“

Auch der Konkurrenzdruck ist immens. Wenn hunderte Internetseiten vom Fußballspiel berichten können, muss man sich gegen die Masse durchsetzen. Wie schafft man das? „Es geht immer um Geschwindigkeit. Und Geschwindigkeit bedeutet Zeitdruck.“ Zeitdruck, der auch entsteht, wenn das neue Magazin nicht rechtzeitig in den Druck geht: Fristen sind da, um eingehalten zu werden. Das gilt gerade bei Printmedien. Druckereien, die ihre Produktion streng durchgetaktet haben, lassen sich Unpünktlichkeit teuer bezahlen. Wenn sich dann auch noch der Sportler der Titelstory, bei dem es „bergauf“ geht, erneut verletzt, müssen auch Zeitschriften, die Tage vorher fertiggestellt wurden, schnell reagieren.

Das Schönste am Journalisten-Beruf? „Das, was ich schreibe, kriegt auch jemand mit“, erinnerte sich Spohr an die Reaktionen auf seinen ersten Artikel. Und heute, als stellvertretender Chefredakteur, reist er für seine Recherchen am liebsten um die Welt.

Lennart Bar
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