Die Kölnische Rundschau muss sich verändernWie sich die Zeitung gegen die Online-Konkurrenz behauptet

Die klassische Tageszeitung stellt für viele den ersten Berührungspunkt mit dem Journalismus dar – und das gleich im doppelten Sinne: Sie ist das erste Medium, das man beim Frühstück liest und bietet gleichzeitig jungen Medieninteressierten die ersten Möglichkeiten, sich selbst im Journalismus auszuprobieren – zum Beispiel als freie Mitarbeiter oder Schülerpraktikanten.

Doch die gedruckte Tageszeitung hat einen Feind: das Internet. Seit Jahren sehen die Absatzzahlen auf dem Printmarkt düster aus, davor kann auch Stefan Sommer, Chefredakteur der Kölnischen Rundschau, nicht die Augen verschließen. „Vor zwanzig Jahren haben Tageszeitungen zwei Drittel ihrer Einnahmen durch Anzeigenverkäufe erwirtschaftet“, erzählt er den Teilnehmern, die am Freitagmorgen die Büros seiner Redaktion besuchen. „Der Rest kam von den Abos, die die Leser abgeschlossen haben. Jetzt sind die Einnahmen aus beiden Quellen ungefähr gleich groß – das liegt aber nicht etwa daran, dass es mehr Leser gäbe, sondern an den sinkenden Anzeigenverkäufen.“ Ein Großteil des Anzeigengeschäfts, so der Chefredakteur, habe sich inzwischen ins Internet verlagert.

Stefan Sommer hat in seiner Zeit bei der Kölnischen Rundschau und bei verschiedenen anderen regionalen Tageszeitungen viel erlebt – und vor allem einen Journalismus kennen gelernt, der uns heute nahezu fremd erscheint, weil er auf Computer verzichten musste. Viele der redaktionellen Arbeiten wie das Layouten einer Zeitungsseite, die der Chefredakteur den Teilnehmern an seinem PC demonstriert, mussten vor dem PC-Zeitalter von speziellen Fachleuten erledigt werden. „Da gab es zum Beispiel den Reprografen. Das war jemand, der sich um die Bearbeitung von Bildern kümmerte. Oder den Setzer, der tatsächlich einzelne Blöcke für den Druck zusammen gebastelt hat“, sagt Stefan Sommer. Alles Berufe, die mit der Zeit verschwunden sind und deren Aufgaben heute bequem per PC von den Redakteuren erledigt werden können. Nur die imposante Druckmaschine, mit der die Kölnische Rundschau und die anderen Publikationen aus dem DuMont-Verlag früher auf Papier gebracht wurden, steht noch in der Eingangshalle des Redaktionsgebäudes.

Steht der Printredakteur eines Tages auch auf der Liste der ausgestorbenen Berufe? Stefan Sommer sieht das als glühender Verfechter „seiner“ Rundschau anders: „Wir haben hier in Deutschland immer noch eine große Vielfalt an regionalen Tageszeitungen.“ Obwohl auch die Kölnische Rundschau mit sinkenden Abonnentenzahlen zu kämpfen hat, werden ihre Artikel immer noch heiß diskutiert, erzählt der Chefredakteur und präsentiert als Beweis die Leserbriefe, die in den letzten Tagen bei seiner Zeitung eingegangen sind – sie reichen immerhin aus, um in der aktuellen Lokalausgabe eine ganze Seite zu füllen. „Hauptsächlich geht es um einen Neubau und um das Verbot für Straßenmusiker, vor dem Dom aufzutreten. Zwei Themen, die in Köln gerade sehr umstritten sind.“

Für Sommer ist das Grund genug, den Printjournalismus nicht abzuschreiben – auch, wenn gerade freie Mitarbeiter oft nur ein bescheidenes Zeilengeld für ihre Arbeit erhalten. Dennoch schwärmt der Chefredakteur von seinem Beruf: „Im Journalismus weiß man nie, was als nächstes passiert. Man steht morgens auf, kommt ins Büro und weiß nicht, ob es hier in Köln einen Skandal, einen Unfall oder sonst irgendeine große Neuigkeit gibt.“ Sein Beruf sei unglaublich abwechslungsreich und deshalb immer wieder interessant.

Das scheinen auch die mit dem Internet und seinen Medien bestens vertrauten Teilnehmer so zu sehen. Daher flammt eine Frage bei der anschließenden Diskussion mit dem Chefredakteur immer wieder auf: „Wie komme ich denn an eine feste Stelle in einer Redaktion, ob als Redakteur oder als Fotograf?“

Hier empfiehlt Stefan Sommer immer noch das klassische Volontariat, für das allerdings ein abgeschlossenes Studium oft eine Grundvoraussetzung ist: „Nur in ganz seltenen Ausnahmefällen wird auch mal jemand ohne Studium genommen, wenn er wirklich gut ist.“ Dabei sei es Sommer zufolge erst einmal nebensächlich, welches Fach man studiert. „Wichtig ist die journalistische Erfahrung, die man sich durch ein Praktikum oder freie Mitarbeit selbst aneignet. Und am liebsten ist es mir natürlich, wenn die Bewerber das bei uns tun.“ Wer sich auf gut Glück bei der nächstbesten Redaktion bewirbt, hat demzufolge schlechtere Chancen als jemand, der schon vorher in dieser Redaktion mitgearbeitet hat.

Für Fotografen hat Sommer jedoch eine schlechte Nachricht: „Wir hatten hier früher vier fest angestellte Fotografen. Jetzt ist es nur noch einer, der bald in den Ruhestand geht – der wird dann auch nicht mehr ersetzt.“ Die Fotos in Tageszeitungen werden also überwiegend von freien Mitarbeitern geschossen. Aber auch hier tun sich Chancen auf, gibt der Chefredakteur den Teilnehmern als letzten Ratschlag mit auf den Weg: „Fangt früh an und baut euch eine vielseitige Mappe auf – damit könnt ihr Redaktionen von euch überzeugen.“

Birthe Kolb
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