Auf den Spuren von Martin Luther KingStorytelling-Workshop mit der Agentur„neues handeln“

„Wie bewerben wir unsere Schülerzeitung am besten?“ Eine Frage, die viele JME-Teilnehmer umtreibt, schließlich ist ein großer Teil von ihnen in einer Schülerzeitungsredaktion aktiv und besuchen das JugendMedienEvent, um nützliche Tipps für ihre Arbeit zu bekommen. Und mit Schreiben und Layouten ist diese Arbeit noch lange nicht getan, denn die Geschichten müssen schließlich auch an den Leser gebracht werden.

Hier kann ein Ausflug in den Bereich Public Relations helfen, denn auch dort haben die Mitarbeiter viel mit dem Erzählen von Geschichten zu tun. Zwei Expertinnen auf diesem Gebiet, die PR-Beraterinnen Julia Sprügel und Silke Stamp von der Kölner Agentur „neues handeln“, erklärten den Teilnehmern am Samstag in einem Workshop, worauf beim Storytelling in der PR ankommt. Die Kölner Hochschule Macromedia stellte hierfür nicht nur Räumlichkeiten zur Verfügung, sondern ermöglichte dank der modernen Ausstattung auch den reibungslosen Ablauf des Workshops.

„Storys müssen nicht immer einfach gestrickt sein, aber häufig hilft es bei einer komplizierten Geschichte, wenn man sich überlegt, wie man sie einem Kind erklären würde“, sagte Julia Sprügel, nachdem sie den Teilnehmern ein paar Werbespots gezeigt hatte. In der Hauptrolle eines der Videos: Das Krümelmonster aus der Sesamstraße, das mit verschiedenen virtuellen Assistenten auf Handys und Navigationsgeräten kommuniziert. „Hier wird eine beliebte Figur benutzt, um die moderne Technik auf emotionale Weise zu erklären“, erklärt Sprügel. „Dadurch nimmt man Leuten, die nicht so technikaffin sind, vielleicht auch die Angst vor solchen Produkten.“

Ein anderes Beispiel, in dem die Verbindung von Emotionen und Werbebotschaften auf die Spitze getrieben wird, ist die #heimkommen-Werbung für eine Supermarktkette. Hier täuscht ein älterer Mann seinen eigenen Tod vor, um seine Familienmitglieder an Weihnachten endlich mal wieder an einen Tisch zu bringen. Der Spot löst bei den Teilnehmern rege Diskussionen aus „Ich finde es unpassend, wenn so ein emotionaler Moment für eine Supermarktwerbung benutzt wird“, meint eine Teilnehmerin. Eine andere findet, dass die Aussage des Spots gar nicht klar wird: „Das ist zwar eine traurige und gut umgesetzte Geschichte, aber es hätte genauso gut ein Spot für jede andere Supermarktkette sein können. Warum man ausgerechnet in diesen Laden gehen soll, wird aus der Werbung nicht deutlich.“ Gerade durch solche Werbungen, die viel diskutiert werden, stechen einzelne Unternehmen aber auch immer mal wieder aus der Masse heraus, wirft ein dritter Teilnehmer ein. „Man hat dann das Gefühl, die geben sich richtig Mühe mit ihren Werbungen.“

Aber wie gelingt es, selbst Texte zu verfassen, in denen Geschichten erzählt werden? Wie schafft man es, mit Wortgewalt zu überzeugen, so wie all die Berühmtheiten, deren Reden uns heute noch im Gedächtnis sind? Auch darüber diskutierten die PR-Expertinnen mit den Teilnehmern am Beispiel von Martin Luther Kings legendärer „I have a dream“-Rede. Hier wird ein Prinzip deutlich, das Julia Sprügel und Silke Stamp als „Story-Leiter“ bezeichnen. „Man fängt mit etwas Abstraktem an und arbeitet sich dann zu detallierten Beispielen vor. Am Ende klettert man die Storyleiter wieder hoch, indem man seine Botschaft von den Beispielen wieder auf eine höhere Ebene bringt.“ Mit diesem Wechsel, so Sprügel, schafft man es, dass der Zuhörer sich mit der Botschaft identifiziert. Im Falle von Martin Luther King wird dies besonders daran deutlich, wie er in seinem Plädoyer gegen die Diskriminierung von Afroamerikanern seine Familie und seine Kinder erwähnt, für die er sich eine Zukunft ohne Rassismus wünscht.

Viele Anregungen für spannende Texte kann man sich auch aus Filmen oder Romanen holen – denn viele von ihnen liegen überraschend einfachen Mustern zugrunde, etwa dem der Heldenreise. „Hat die Geschichte einen Helden, der auf eine Reise geschickt wird und mit einem scheinbar übermächtigen Gegner konfrontiert wird? Gibt es einen zentralen Konflikt, der am Ende gelöst wird?“, fragte Silke Stamp in die Runde. „Diese Fragen müsst ihr euch vor einer guten Geschichte stellen.“

Es gibt also viele Tricks, mit denen aus einfachen Worten mitreißende Geschichten werden. So viel Input am Vormittag ist die beste Voraussetzung für die praktischen Übungen, in denen die Teilnehmer am Nachmittag selbst Geschichten entwickeln können – vielleicht ja eine über den heldenhaften Kampf einer Schülerzeitungsredaktion.

Lennart Bar
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